Die könogliche domäne von Château Gaillard

Wiege der Renaissance in Amboise

Die "Jardins du Roy" von Château Gaillard: die ersten Renaissance-Gärten Frankreichs

Inmitten der Stadt Amboise wird die Domaine Royale de Château Gaillard, Wiege und Juwel der Renaissance in ihrer wunderbaren 15 Hektar großen grünen Oase zum ersten Mal seit 500 Jahren wiederentdeckt

Die Domaine Royal de Château Gaillard war die erste Gartenanlage der italienischen Renaissance in Frankreich, die Gärten des Königs - « Les Jardins du Roy ».

Nach seiner Rückkehr aus der ersten italienischen Kampagne im Jahr 1496 mit seinen 10 000 französischen Rittern entschied der junge König Charles VIII., Gatte von Anne de Bretagne, der die Schönheit der italienischen Paläste bewundert hatte, dass er das "Paradies auf Erden", das er im Königlichen Palast Poggio Reale in Neapel entdeckt hatte, in Amboise, im Amphitheater von Château Gaillard, neu erschaffen würde.

Um sich diesen Traum zu erfüllen, ließ er 22 italienische Künstler mit nach Amboise kommen, darunter den zu dieser Zeit - im Jahr 1500 - "berühmteste Gärtner in ganz Europa", Pacello de Mercoliano.

Pacello de Mercoliano: das andere Genie von Amboise

Dom Pacello, Mönch und genialer Botaniker, pflanzte im Château Gaillard die ersten Orangenbäume Frankreichs und schuf dafür die erste Orangerie, erfand Kisten für die Orangenbäume, Treibhäuser und die erste axiale Perspektive vor dem Schloss. Wunderbarerweise ist uns diese noch erhalten.

Er züchtete in seinem "Experimentier-Garten", einem botanischen Labor unter freiem Himmel, eine berühmte französische Pflaumensorte: die Reine Claude, die er der Gattin von François 1er, Claude de France, widmete.

François 1er schenkte die Domaine Royal de Château Gaillard seinem « teuren und geliebten Pacello » gegen ein jährliches Bouquet von Orangenblüten, eine wahrhaft königliche Gabe an einen Bediensteten – und auf Lebenszeit.

Zunächst königliche Residenz, dann die des Kardinals de Guise, war Château Gaillard Zeuge der Flitterwochen von Mary Stuart und auch der Beratungssitzungen von Catarina de' Médici, die die Verschwörung von Amboise verhindern wollte …

Pacello de Mercoliano kam im Alter von 50 Jahren nach Amboise. Er war 20 Jahre hindurch Architekt der königlichen Gartenanlagen für drei Könige Frankreichs, auch für François 1er.  Er starb mit 87 Jahren in Blois und prägte das Tal der Loire mit seinem botanischen Wissen und seinen bahnbrechenden Erfindungen in der Kunst der Gartenanlage.

Die Architektur des kleinen Palazotto strahlt einen besonderen Charme aus mit ihrem Gesims mit vier Frisen, die erstaunliche 1,20 hoch sind, mit gemeißelten Dachgauben und Renaissance-Kaminen, mit steinernen Blumen geschmückten Kapitellen und Doppelpfeilern.

Der Ort liegt in einem natürlichen Tal in Form eines 300 Meter langen und 32 Meter tiefen Amphitheaters aus Tuffstein, das ein für die Akklimatisierung mediterraner Pflanzen ideales Mikroklima schafft. Das Schloss ist ein lebendiger Ort, noch immer bewohnt und im Geist der frühen italienischen Renaissance ausgestaltet.

Eine gewaltige Restaurierung

Seit 2012 haben 50 Handwerker und Kunsthandwerker und 300 Arbeiter an der gewaltigen Restaurierung der in Vergessenheit geratenen und gut versteckten königlichen Domäne gearbeitet, von der Charles VIII. sagte: « Es fehlen nur Adam und Eva, um ein irdisches Paradies aus ihr zu machen ».

Die farbigen Glasfenster wurden in reinster Technik des 16. Jahrhunderts mundgeblasen. Sie wurden nach Miniaturen aus Stundenbüchern des 16. Jahrhunderts geschaffen und erzählen Ereignisse aus dem Leben des Schlosses. Sie sind die in Frankreich einmalige Kreation eines Kunstglasbläsermeisters aus La Croix en Touraine, der drei Jahre lang an ihnen arbeitete.

Fanny, Daphné, Edouard und Marc Lelandais sind 2010 dem Charme von Château Gaillard, seiner Lage und seinem historischen Wert erlegen. Als leidenschaftliche Liebhaber von Geschichte und "alten Steinen" entschlossen sie sich, die Restaurierung des Anwesens in Amboise zu unternehmen. Sie hatten vorher schon das Mäzenatentum für ein herrschaftliches Haus des 15. Jahrhunderts bei Chaumont sur Loire übernommen. Das Projekt Gaillard, von 250 Handwerkern aus dem Gebiet Indre und Loire und zahlreichen Kunsthandwerkern unterstützt, verhalf der Domäne zu neuem Leben. 2014 fiel auf Wunsch der Einwohner von Amboise einstimmig die Entscheidung, dieses kleine königliche Paradies dem Publikum zugänglich zu machen und das "Genie des Ortes", den Geist des Mönches und königlichen Gartenarchitekten, Dom Pacello de Mercoliano, wieder aufleben zu lassen.

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