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Das Schloss von Chaumont-sur-Loire

Blick über die ungezähmte Loire

Das Schloss von Chaumont-sur-Loire zwischen Blois und Amboise beeindruckt mit seinem Innern und mit seinen Gartenanlagen

Ein wenig Geschichte ...

Im 10. Jahrhundert baute Eudes Ier, Graf von Blois, eine Festung, um Blois vor den Angriffen des Grafen von Anjou zu schützen. Zum Dank für seine Unterstützung schenkte er Chaumont dem normannischen Ritter Gelduin dem Jüngeren. Dessen Sohn und Nachfolger Geoffroy, der kinderlos geblieben war, bestimmte seine Nichte, Denise de Fougères zu seiner Nachfolgerin. Im Jahr 1054 heiratete sie Sulpice Ier d’Amboise und Chaumont ging für fast fünfhundert Jahre in den Besitz der Familie d'Amboise über.

Im Jahr 1465 ließ Louis XI. die Gebäude mitsamt allen Anbauten zerstören, um Pierre d’Amboise dafür zu bestrafen, dass er sich gegen die königliche Macht aufgelehnt hatte. Einige Zeit später, im Jahr 1469, gewährte der König Pierre d’Amboise Vergebung, erstattete seine Ländereien zurück und gab ihm die nötigen Mittel zum Wiederaufbau von Chaumont.

Zwischen 1468 und 1510 erbaute sein Sohn Charles Ier den Nordflügel, der heute nicht mehr existiert, den Westflügel und einen Teil des Südflügels im gotischen Stil. Der Südflügel, das Eingangs-Châtelet, der Ostflügel, die Kapelle und die große Ehrentreppe auf dem Hof wurden von seinem Enkel Charles II. in einem schon stärker von der Renaissance geprägten Stil errichtet.

Im Jahr 1560 kaufte Caterina de' Médici, die Witwe des Königs Henri II., das Schloss von Chaumont und zwang Diane de Poitiers, die ehemalige Favoritin des Königs, ihr im Austausch dafür das Schloss von Chenonceau zu überlassen. Sie ordnete verschiedene Arbeiten an und ließ ihr Emblem über den Maschikulis des Wehrgangs anbringen. Von Ende des 16. bis Mitte des 18. Jahrhunderts folgten zahlreiche Besitzer des Schlosses von Chaumont aufeinander. 

 

Das Innere des Schlosses von Chaumont-sur-Loire

1750 wurde es von Jacques Donatien Le Ray, König Louis' XVI. künftigem Intendanten der Invalides, erstanden. Er ließ den Nordflügel niederreißen, um den Ehrenhof zur Loire hin zu öffnen, und gründete da, wo heute die Pferdeställe liegen, eine Töpfer- und Glasmanufaktur, die zahlreiche Künstler anzog und die von dem Bildhauer und Graveur Jean-Baptiste Nini geleitet wurde. Jacques Donatien Le Ray gelang es, das Schloss, in dem er im Jahr 1776 schon Benjamin Franklin empfangen hatte, vor den Zerstörungen der Revolution zu bewahren. Sein Sohn Le Ray l’Américain verkaufte es 1823 an den Baron d’Etchegoyen.

Im 19. Jahrhundert gehörte das Schloss zunächst dem Grafen von Aramon, dann dem Vicomte Joseph Walsh. Sie unternahmen bedeutende Restaurierungsarbeiten. 1875 kaufte Marie-Charlotte Constance Say, Tochter und Erbin des reichen Rohrzucker-Raffineurs Constant Say die Domaine von Chaumont. Einige Monate später heiratete sie den Prinzen Henri-Amédée de Broglie.

Das Paar hörte nie auf, mit Hilfe des Architekten Paul-Ernest Sanson die Domäne zu vergrößern und zu verschönern: Restaurierung der Außenbereiche und Modernisierung der Innenbereiche - Stromversorgung, Zentralheizung und fließendes Wasser - sowie Bau der Stallungen. 1884 schuf der Landschaftsarchitekt Henri Duchêne den Park, der das Schloss umgibt. 1938 trat die Prinzessin, die vor dem Ruin stand, das Schloss für 1 800 000 Goldfranken an den Staat ab.

Seit 2007 gehört die  Domaine de Chaumont-Sur-Loire der Région Centre; im Oktober 2008 wurde daraus ein "Kultur- und Begegnungszentrum", eine vom Ministerium für Kultur und Kommunikation anerkannte Einrichtung für Missionen des Bewahrens und der Entwicklung von Kunst und Kultur.

Das Festival International des Jardins

Eine zweite Gartenanlage, « le Goualoup », ist seit 1992 Rahmen des internationalen Festivals der Gärten. Im Verlauf der Jahre wurde diese jährliche Veranstaltung, die von April bis Oktober dauert, zum unumgänglichen Rendez-Vous der zeitgenössischen Gartengestalter: Landschaftsarchitekten, Szeonografen und Gärtner treffen einander. Jedes Jahr steht ein besonderes Thema im Mittelpunkt, das in origineller und ideenreicher Art von den Künstlern umgesetzt wird. Der Park und das Festival International des Jardins de Chaumont-sur-Loire wurden 2011 mit den Gütezeichen "Jardins Remarquables" (Beeindruckende Gärten) und "Arbres remarquables" (Beeindruckende Bäume) ausgezeichnet; letzteres verdanken sie den bemerkenswerten Zedern, die den Park zieren.

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Der Park des Schlosses von Chaumont

Im 16. Jahrhundert besaß das Schloss von Chaumont keinen Garten. Erst im 19. Jahrhundert ließ der Graf von Aramon mehrere Baumarten pflanzen, darunter auch Zedern. Prinz Henri-Amédée de Broglie schließlich legte – immer noch im 19. Jahrhundert - den Englischen Park mit Hilfe des Gartengestalters Henri Duchêne an.

Er ließ den Friedhof verlegen und zwei Weiler mit ihrer Kirche zerstören, um sie am Ufer der Loire wiederaufzubauen. 1917, im Jahr seines Todes, zählte die Domäne von Chaumont fast 2 500 Hektar mit Wald, Bauernhöfen und Land. Der Schlosspark macht nur 21 Hektar davon aus.

Kuriositäten: 

  • Der Friedhof der Hunde und Affen, den Lieblingen der Prinzessin Broglie, im Erholungsgarten zwischen dem Schloss und dem Bauernhof gelegen
  • Die Stallungen aus dem Jahr 1877, am Standort der ehemaligen Manufaktur von Le Ray

 

Das « Centre d'Arts und de Nature »

Seit 2008 ist die Domaine de Chaumont-sur-Loire ein Zentrum für künstlerisches Schaffen und Landschaftsgestaltung, das "Zentrum für Kunst und Natur". Jedes Jahr machen Ausstellungen von plastischen Künsten und Fotografien, Konzerte und Filmvorführungen die Stätte zu einem lebendigen Ort der Kunst, die sich der  « Verbindung von Kultur und Natur » verschrieben hat.

Domaine de Chaumont