Die Weine aus Blois-Chambord

Drei Weine mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung - eine lange Geschichte

Wenn man Geschichte von den Bausteinen der Schlösser ablesen kann, so kann man sie an den Ufern der Loire auch kosten: drei AOC-Weine an der Loire

Automatisierte Weinprobe in der "Maison des Vins" in Cheverny  © OTBC

Cheverny und Cour-Cheverny

Vor fast fünfhundert Jahren, als König François Ier mit dem Bau eines Schloss in Romorantin für seine Mutter und nach Plänen eines gewissen Leonardo da Vinci begann, vergaß er nicht, auch Weinanbau vorzusehen, und führte bei dieser Gelegenheit eine neue Rebsorte aus dem Burgund ein.

Diese Traubensorte gedieh in dem quarzhaltigen Boden ganz besonders gut und passte sich dem kontrastreichen Klima der Gegend mit Leichtigkeit an.

Die Traubensorte ist schwierig zu meistern, stark säurehaltig und ist mit ihrem bescheidenen Ertrag nicht dafür bestimmt, im ganzen Land angebaut zu werden; dennoch bringt sie einen ganz besonderen Wein hervor, wenn sie richtig behandelt wird: komplex und lagerfähig – günstig für den Aufbau eines typischen Charakters.

Ihre speziellen Merkmale werden 1993 mit der kontrollierten Herkunftsbezeichnung Cour-Cheverny belohnt, die nur dieser einen Rebsorte zuerkannt werden, dem Romorantin.

Ein weißer Lagerwein

Der Cour-Cheverny ist ein Weißwein, meistens trocken, aber unter bestimmten Bedingungen kann ein Jahrgang auch einmal lieblich sein. Sehr aromatisch, vollmundig und mit langem Abgang, kann er aber auch jung getrunken werden und ist dann lebhaft, mit blumigen und zitronigen Noten, womit er sehr gut zu Fischgerichten und Jakobsmuscheln passt.

Sein volles Aroma und seine ganze Opulenz entfaltet er jedoch erst mit der Zeit, wobei er Honig-, Trockenobst- und Akazien-Aromen annimmt … In diesem Stadium ist er perfekt für Kalbsbries, Geflügel mit Cremesaucen und Hummer.

Ein bewahrtes Erbe

Weniger als dreißig Erzeuger dürfen diese Ursprungbezeichnung führen. Unter ihnen haben sich bestimmte historische Weingüter stark für die Anerkennung des Cour-Cheverny und den Schutz bzw. die Erhaltung des Romorantin eingesetzt, da diese oft zugunsten "weniger anspruchsvoller" Rebsorten wie etwa des Sauvignon, aufgegeben wurden. Aber der Dynamismus der Bezeichnung wird auch von Neuankömmlingen und manchmal sogar "Neu-Weinbauern" lebendig gehalten, die von der Originalität und dem Potential der Traubensorte sowie von der unbelasteten Umwelt der hiesigen Weingüter, die zu den "grünsten" Frankreichs zählen, angezogen werden.

Das ist zum Beispiel der Fall von Cyrille Sevin, einem Mathematiklehrer, der Tafel und Kreide zugunsten der Hippe aufgab und sich 2007 in Mont-Près-Chambord im Herzen des Gebiets der Ursprungsbezeichnung niederließ.

Sein Bio-Sortiment erstreckt sich über verschiedene Erzeugnisse des lokalen Terroirs: weißer und roter Cheverny, Crémants der Loire und – der Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit – ein Cour-Cheverny. Er liebt ganz besonders den Romorantin, den er mit besonderer Sorgfalt behandelt, sei es im Weinberg, indem er ihn fast einen Monat später als andere Traubensorten liest, sei es im Weinkeller, wo er ihm besonders viel Zeit lässt. Er rät dazu, seinen Cour-Cheverny mindestens zwei Jahre lang zu lagern und ihn dann wenn möglich für acht bis zehn Jahre zu vergessen.

Kontrollierte Herkunftsbezeichnung AOC Cheverny

  • Weiße Traubensorten: Sauvignon, Chardonnay, Orbois, Chenin
  • Rote und Rosé Traubensorten: Pinot noir und Gamay
  • Anbaufläche: 589 ha
  • Produktion: 27 524 Hektoliter (52.5 % Weißwein, 39.2 % Rotwein und 8.2 % Rosé-Wein)
  • Erzeuger: 62 (unabhängig oder Mitglieder in Genossenschaften)

Kontrollierte Herkunftsbezeichnung AOC Cour-Cheverny

  • Traubensorte: Romorantin (exklusive Traubensorte)
  • Anbaufläche: 54 ha
  • Produktion: 2 095 Hektoliter
  • Erzeuger: 28 (unabhängig oder Mitglieder in Genossenschaften)
Der "Touraine-Mesland" © OTBC

Touraine-Mesland

Am rechten Loire-Ufer zwischen Amboise und Blois liegen die Weinanbaugebiete von Touraine-Mesland. Das Land mit seinen milden Wintern bringt leichte Weine aus Assemblagen hervor. Hier in den Weinbergen der Loire wurde im 19. Jahrhundert der weiße Gamay eingeführt, der den Rotweinen ihren fruchtigen Charakter gibt.

 

Die Legende

Die Loire, majestätisch und kapriziös, hat die Menschen von jeher fasziniert. Die Geschichte hat ihre Ufer geprägt und Legenden haben den Landstrich sublimiert.  

Eine dieser Legenden entstand aus ihrem Flussbett selbst: Eines Tages, als der Flusslauf ausgetrocknet war, brach die Erde auf und aus einer vom Himmel gesandten Flutwelle stieg die Muse Meslande, die Favoritin des Dionysos, hervor.

Den verblüfften Weinbauern verkündete die Najade mit ihrer aus Weintrauben bestehenden Haarpracht: « Wenn Dionysos mich hierhergeschickt hat, dann weil euer Land in Einklang mit dem Wein steht, eure Erde eines Grand Cru würdig ist und weil sie erhalten und geliebt werden sollte. » Der Mythos des Touraine-Mesland war geboren.

Ein kleines Weingut

Dieses mit seinen nicht ganz hundert Hektar recht kleine Weingut, von Mönchen der Abtei Marmoutier gregründet, war im Jahr 1838 das erste unserer Region, das die Weinrebe Gamay eingeführt hat. Die Traubensorte mit weißem Saft stammt aus dem Beaujolais und hat sich hier so gut eingelebt, dass sie zu einer der emblematischen Rebsorten der Region wurde.

Der Name Touraine-Mesland wurde 1955 zur geschützten Ursprungsbezeichnung. Sein Anbau zieht sich am rechten Loire-Ufer entlang, gegenüber vom Château de Chaumont, und erstreckt sich über die Gemeinden Molineuf, Mesland, Chouzy-sur-Cisse, Chambon-sur-Cisse, Onzain und Monteaux. Die geografische Lage an Hängen und Hochplateaus verleiht den Weinen eine reiche Geschmacksvielfalt.

Aus den an Silikatgestein und Quarzsand reichen Böden entstehen fruchtige Rotweine - Assemblagen aus Gamay, Cabernet Franc und Côt. Lehmige Quarzböden bringen blumige Weißweine hervor, die aus Chenin Blanc gewonnen und manchmal noch mit Chardonnay und Sauvignon verschnitten werden.

AOC Touraine-Mesland

  • Traubensorten: Weiß: Chenin, Sauvignon, Chardonnay; Rot: Gamay, Côt, Cabernet Franc
  • Anbaufläche: 100 ha
  • Jährliche Produktion: 4000 hl, davon 70 % Rotwein, 12 % Weißwein und 18 % Rosé-Wein.
  • Erzeuger: 9 Winzer